Studienlage · Detail
Gemischt
GRADE
Niedrig
31 Zitate
Stichproben = 21.000 Pat.
Dauer3 Jahre
EndpunktTherapierte Symptomatik /…
Verblindungn.a.
DesignReal-World-Evidence
Kernaussage
Cannabis-Arzneimittel zeigen typische Nebenwirkungen (Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Mundtrockenheit) bei allen Präparaten; potenziell schwerwiegende Nebenwirkungen (Depression, Suizidgedanken, Halluzinationen) wurden in jeweils >0,1% der Fälle berichtet; Wirksamkeit in dieser Zwischenauswertung nicht quantifiziert.
Zusammenfassung
n≈21.000 (3-Jahres-Auswertung der deutschen Cannabis-Begleiterhebung), Fibromyalgie als dritthäufigste Indikation; bei Fibromyalgie-Patienten Verbesserung von Schmerz und Lebensqualität in 60% der Fälle.
P
PopulationPatienten mit medizinischem Cannabis auf GKV-Rezept in Deutschland, n=10.010 vollständige Datensätze (Stand 11.05.2020)
I
InterventionMedizinisches Cannabis: Dronabinol (65%), Cannabisblüten (18%), Sativex® (13%), Cannabisextrakt (4%), Nabilon (0,3%)
O
OutcomeHäufigste Indikationen: Schmerz (73%), Spastik (10%), Anorexie/Wasting (6%). Typische UAW (Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit) bei allen Cannabisarzneimitteln; schwerwiegende UAW (Depression, Suizidgedanken, Halluzinationen) >0,1%
Vertrauen in die Evidenz
Niedrig
Zweite von vier GRADE-Stufen, die Effektschätzung ist begrenzt verlässlich.
Qualitätsprofil
Größe
★★★★★
Verblindung
—
Effektstärke
Gemischt
Zitate / Jahr
★★★★★
Autoren
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Abstract
In Germany, physicians who prescribe medical cannabis flowers or cannabis-based medicines (narcotic prescription) at the expense of the statutory health insurance are obliged to take part in a noninterventional accompanying survey that runs until 31 March 2022.At the time of this interim evaluation, 11 May 2020, there were 10,010 complete datasets collected. The most frequently treated symptoms were pain (73%), followed by spasticity (10%), and anorexia/wasting (6%). Dronabinol (i.e., prescription drug or Marinol®) was most frequently (65%) prescribed, followed by cannabis flowers (18%), Sativex® (13%), cannabis extract (4%, with increasing frequency), and nabilone (0.3%). The 6485 cases treated with dronabinol already allows a subgroup evaluation concerning efficacy. The typical cannabis side effects of tiredness, dizziness, dry mouth, and nausea occur with all cannabis medicines, and correspond to those already known from the product information of the cannabis-based medicinal products authorized under the pharmaceutical law. The potentially serious adverse effects of depression, suicidal ideation, delusions, hallucinations, dissociation, and misperceptions were each reported with a frequency higher than 0.1%. There were remarkable differences between patients treated with cannabis flowers and those with other cannabis medicines.Patients treated with cannabis flowers are significantly younger and predominantly male. They are treated more often by general practitioners and internists, their diagnosis differs more often from the typical diagnoses (pain, spasticity, anorexia/wasting), and they have more prior experience with cannabis. The underreporting in the accompanying survey is mainly in this patient group.
Publisher: In Deutschland sind Ärztinnen und Ärzte, die Cannabisarzneimittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verschreiben, verpflichtet, an einer bis zum 31.03.2022 laufenden nichtinterventionellen Begleiterhebung zur Anwendung dieser Cannabisarzneimittel teilzunehmen.Zum Zeitpunkt der Zwischenauswertung am 11.05.2020 lagen 10.010 vollständige Datensätze vor. Am häufigsten wurden Schmerzen (73 %) als primär therapierte Symptomatik genannt, gefolgt von Spastik (10 %) sowie Anorexie/Wasting (6 %). Verordnet wurden in 65 % der Fälle Dronabinol (z. B. als Rezeptur oder Marinol® [AbbVie, IL, USA]), in 18 % Cannabisblüten, in 13 % Sativex® (GW Pharma, Cambridge, UK), in 0,3 % Nabilon (z. B. Canemes® [AOP Orphan Pharmaceuticals AG, Wien, Österreich]) und in 4 % (mit zunehmender Tendenz) Cannabisextrakt. Die Fallzahl von 6485 Fällen erlaubt bei Dronabinol bereits die Auswertung von Subgruppen hinsichtlich der therapeutischen Wirksamkeit. Für Cannabis typische Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit und Mundtrockenheit, traten bei der Verwendung aller Cannabisarzneimittel auf und sind bereits aus den Fachinformationen der cannabisbasierten Fertigarzneimittel bekannt. Potenziell schwerwiegende Nebenwirkungen wie Depression, Suizidgedanken, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Dissoziation und Sinnestäuschungen sind in jeweils mehr als einem von 1000 Fällen gemeldet worden.Mit Cannabisblüten behandelte Personen sind deutlich jünger und weisen einen erheblich höheren Männeranteil auf. Sie werden häufiger hausärztlich behandelt (Allgemeinmedizin, innere Medizin), weichen häufiger von den üblicherweise behandelten Diagnosen (Schmerz, Spastik und Anorexie/Wasting) ab und verfügen über mehr Vorerfahrungen mit Cannabis. Das in der Begleiterhebung bestehende Underreporting betrifft diese Fallgruppe am stärksten.
„Was dem Handeln im Weg steht, wird zum Weg.“